Pfarrgeschichte
Lage und Geschichte von Hohenau an der March
Die heutige Marktgemeinde Hohenau an der March liegt zwei Kilometer südwestlich der Einmündung der Thaya in die March an der Kreuzung einer alten West - Ost-Straßenverbindung (Staatzer Weg vom Waldviertel bis in die Slowakei) mit der sogenannten Bernsteinstraße. Am südlichen Ende des ehemaligen Breitstraßendorfes ragten in unmittelbarer Nähe zueinander am ehemaligen Westufer der heute verlandeten „Alten Thaya“ mehrere in der Ur- und Frühzeit besiedelte Erhebungen zwei bis drei Meter über ihre nächste Umgebung empor. Die fünf Hügel, der Schloßberg und der anschließende „Lustgarten“, der Johanneshügel, der Pfarrhofhügel („Pfarrerbergerl“; trug bis 1700 das Amtshaus) und der Kirchenhügel, sind auf dem Marktsiegel von 1595 noch bildlich dargestellt. Heute sind sie modernen Planierungen weitgehend zum Opfer gefallen.
Im Großraum Hohenau läßt sich eine relativ kontinuierli-che Besiedlung vom Neolithikum bis in die Slawenzeit archäologisch nachweisen. Die bislang bedeutendsten und großflächigsten Grabungen fanden zwischen 1970 und 197ß im Südwesten der Marktgemeinde, an der Hausbrunner- und Weststraße, statt und erbrachten nach älteren Zufallsfunden insgesamt 220 Brandgräber der Hallstattkultur mit etwa 1500 Fundgegenständen (eine Ausnahme bildete lediglich die Körperbestattung eines Kindes). Weiters kam eine völkerwanderungszeitliche Mädchenbeisetzung und ein slawi-sches Männergrab mit Sporenbeigaben der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts zum Vorschein.
Der Kern des heutigen Ortes entstand vielleicht schon im 11., sicher jedoch im 12. Jahrhundert. Es handelte sich um ein befestigtes Breitstraßendorf (südlicher Abschnitt der heutigen Hauptstraße) mit einem Ansitz und einer Kirche im Süden davon. Auf der Erhebung des Schloßberges erstreck-te sich ursprünglich sicher lediglich ein Erdwerk mit einem „Festen Haus“ im Zentrum, aus dem sich in der Folge eine Mauerburg bzw. im 16. Jahrhundert ein Schloß (Vierkanter mit Innenhof, 34 x 30 m mit 18 m breitem Wassergraben) entwickelte. Bereits 1240 erscheint ein Ulricus von Hohenowe als Zeuge. Eine Kirche wird dagegen bereits 1148 genannt; Papst Eugen III. bestätigt zu diesem Zeitpunkt dem bayerischen Kloster Nieder-Alteich den Besitz einer Reihe von Kirchen, darunter eine in „Zaya“ (= Nieder-Absdorf und „Hohenoe“. 1266 und 1271 wird im Zuge von Schenkungen ein Ordenshaus der Johanniter genannt, das vor 1266 entstanden sein muß.
1359 wird Hohenau als Markt bezeichnet. 1394 erwirbt Johann 1. von Liechtenstein Güter in Hohenau, und 1458 geht die gesamte Herrschaft in Liechtensteinischen Besitz über 1660 kommt es zur Vereinigung der Herrschaften Hohenau und Rabensburg mit Verwaltungssitz in Rabensburg. Dieser Umstand und feindliche Angriffe (1645 Schwe-den, 1663 und 1683 Türken und Tataren) hatten zur Folge, daß das Hohenauer Schloß verwahrloste. 1755 wurde das Schloß nur noch als Schüttkasten verwendet, ab 1780 begann man, die Gräben, Wälle und Bastionen einzuebnen und ab 1790 mit dem Abbruch. Westlich des Schlosses befand sich seit dem 16. Jahrhundert das Amtshaus des Schloßpflegers (bis 1700), das 1795 durch den Pfarrhof ersetzt wurde.
Geschichte und Beschreibung der Kirche
Vermutungen, daß es bereits vor dem 12. Jahrhundert in Hohenau am Kirchhügel einen Sakralbau gegeben hätte, konnten durch die archäologischen Untersuchungen nicht bestätigt werden. An der Stelle der heutigen Kirche konnte jedoch ein Siedlungshügel mit schwärzlich-humosen Kulturschichten der Hallstattkultur und der Slawenzeit (9. Jahrhundert n. Chr.) mit Pfostenspuren und Siedlungsgruben nachgewiesen werden.
Baualterplan der Pfarrkirche Hohenau
Die Erbauung einer ersten Kirche könnte nach R. Zelesnik vom bayerischen Kloster Nieder-Alteich ausgegangen sein, das 1045 aufgrund einer Königsschenkung zehn Hufen erhielt und den Nachbarort Nieder-Absdorf (damals „Zaya“) samt Kirche gründete. Nieder-Alteich bekam wenig später (1048) noch drei weitere Hufen, vielleicht im Süden des heutigen Hohenau, hinzu, In der Urkunde vom 30. 3. 1148 bestätigt dann Papst Eugen III. dem Kloster den Besitz von Kirchen in „Zaya“ und Hohenau. Hohenau muß jedoch sehr bald an den Johanniterorden gekommen sein, denn 1266 und 1271 werden in zwei in Lundenburg ausgestellten Urkunden Schenkungen an ein Ordenshaus der Johanniter der Kommende Mailberg festgehalten. Als Aufgaben der Johanniter in Hohenau sind neben der Seelsorge der Grenzschutz und die Sicherung des Marchüberganges und des Weges nach St. Johann (!) in der Slowakei anzunehmen.
In einem Verzeichnis aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wird Hohenau erstmals als Pfarre genannt. Patronatsherr ist der Kommendator von Mailberg. Bis ins 18. Jahrhundert bleibt - mit einer kurzen Unterbrechung (1631 - 1661) - die Pfarre der Johanniterkommende Mailberg inkorporiert. 1457 ist das Patrozinium „Auffindung des Heiligen Kreuzes“ erstmalig urkundlich belegt. Nach den Verheerungen Hohenaus und seiner Pfarrkirche 1645 (Schweden) und 1663 sowie 1683 (Tataren und Türken) verkaufte der 1693 eingesetzte Pfarrer Georg Polenus 42 Joch Kirchenäcker. Daraufhin ließ er die baufällige Kirche bis auf die unteren Teile der Hauptmauern niederreißen und in barocken Formen wieder errichten. Dabei wurden 500 Fuhren Steine der ehemaligen Rabensburger Kirche verwendet.
1726 entstand eine St. Barbara-Bruderschaft (1750/60 gestifteter Barbara-Altar) für seliges Sterben. 1754 - 1784 war Hohenau eine Filiale der Pfarre Rabensburg. 1784 wurde es wieder eine selbständige Pfarre, das Patronat lag beim Religionsfonds. 1890 wurde ein Kirchenverschönerungsverein gegründet. 1891 wurde der Plan, die Kirche zu vergrößern, Fürst Johann II. von Liechtenstein vorgetragen. 1894 wurden nach einer neuerlichen Vorsprache der fürstlich Liechtensteinische Architekt Karl Weinbrenner, der Baumeister Rossak aus Lundenburg und der Maurermeister Gessinger aus Rabensburg mit der Planung des Ausbaues beauftragt. Es dauerte jedoch bis zum Jahre 1902, daß nach Genehmigung der Pläne durch das Ministerium für Kultur und Unterricht tatsächlich mit den Arbeiten begonnen werden konnte: die alte Sakristei und die Kapelle im Süden wurden zu einem Seitenschiff mit darüberliegendem Oratorium erweitert, im Nordosten wurde eine neue Sakristei und ein gedeckter Turmaufgang errichtet, das Hauptschiff wurde um zehn Meter verlängert und eine neue Orgelempore samt Aufgang eingebaut. Restaurierungen erfolgten seither 1937, 1943, 1958/59, 1985/86 und 1990/91. Im April 2004 wurde die neue mechanische Orgel der Orgelbaufirma Bodem aus Leopoldsdorf bei Wien eingeweiht.
Der ehemalige Friedhof um die Kirche wurde 1927 aufgelassen und der heutige Kirchgarten eingerichtet. Dabei wurde ein barockisierendes Portal mit vier gemauerten Pfeilern, die beiden mittleren mit Vasen, errichtet. Südseitig blieb ein Stück der alten Kirchhofmauer (Wehrmauer?) mit Sandsteinquadern und Fischgrätenlagen erhal-ten. Im Südosten der Kirche befand sich das 1728 errichtete Beinhaus. Die Kapelle darüber diente ab 1819 als Totenkammer, nach dem Ersten Weltkrieg als Pfarrheim, dann als Bude der Studentenverbindung „Nordmark“, und 1948 erfolgte der Umbau zur Mesnerwohnung. Damals wurde das darunterliegende, etwa fünf Meter tiefe Gewölbe ausgeräumt; die daraus stammenden menschlichen Gebeine wurden am Kirchenfriedhof beigesetzt. Der im Gewölbe befindliche steinerne Altaraufsatz mit einem Kreuzrelief wurde in den heutigen Pfarrhof verbracht.
Beschreibung der bestehenden Pfarrkirche (Dehio Niederösterreich-Nord, 5. 429 und 430)
„Außenbau. Langhaus und eingezogener Chor bilden einen hoch aufragenden Baukörper, von N-Turm dominiert; Langhaus mit Satteldach, chorseitig abgewalmt, über dem Seitenschiff der S-Seite abgeschleppt; das W-Joch des Seitenschiffs (mit Stiegenaufgang) turmartig bis zur Trauf höhe des Langhauses hochgeführt, verlängert die einachsige westl. Giebelfront um eine Achse nach 5; N-Seite de Langhauses und W-Front mit Doppellisenengliederung un reich profiliertem, verkröpftem Traufgesims. Mittelteil der W Front auch in der Giebelzone leicht einspringend, Nachbildung der bis 1902 bestehenden bar. W-Front. W-Portal m segmentbogiger Gesimsverdachung (vom bar. Portal, 1902 hierher versetzt?), Rahmenfeld mit Akanthuswellenranken in Stuck, Stuckmuschel und IHS; über dem Portal rundbogig Muschelnische (von der bar. Fassade) mit Steinfigur Schutz mantelmuttergottes, 1987 von Werner Kammerer. In den Chorwänden bar. Segmentbogenfenster, 1937 und 1959 freigelegte Dreiergruppen rom. und got. Fenster innen vermauert, spitzbogiges Mittelfenster, 14. Jh., das südseitige mit Dreipaß und 2 Maßwerknasen, seitl. je ein schmales Rundbogenfenster in tiefer Bruchsteinlaibung, 12. Jh.; nordseitige Gruppe verdeckt. Ein rom. Fenster an der N-Seite westl. hinter dem Turm. Weitere rom. Fenster 1902 in der ehem. S-Wand des Langhauses entdeckt. Turm durch profilierte Gesimse 2geschossig; toskanische Riesenpilaster, vertiefte Wandfelder; rundbogige faschengerahmte Schallfenster, durch Rahmenfeld über dem Scheitel in Gesims eingebunden; 4seitige Haube unter 8seitiger Laterne mit Helm, als Abschluß Malteserkreuz (1954 erneuert). Südl. Seitenschiffenster rundbogig, hochovale Oratorienfenster in Dachhäuschen eingesetzt“.
„Inneres. Im Chor und 51/2 jochigen Langhaus Kreuzgratgewölbe zwischen Gurtbögen, im östl. Joch Stichkappen. Triumphbogen leicht eingezogen über wandpfeilerartige Pilastern, Doppellisenen, Wand vertieft eingeschnitten. Profiliertes, verkröpftes Gebälk. Nordseitig im 2. Joch Rundbogen über toskanischen Pilastern zur Kapelle im Untergeschoß des Turmes. Im 4. Joch der N-Wand Korbbogennische, ehem. N-Portal (1958 vermauert). Süd-seitig im 1. Langhausjoch segmentbogiger Durchgang in ehem. Alte Sakristei, die übrigen Joche in Scheidbogen über toskanischen Pilastern ins kreuzgratgewölbte Seitenschiff bzw. mit Rundbogenfenstern ins Oratorium geöffnet. Kreuz-gratunterwölbte W-Empore in Langhausbreite mit profilierter Brüstung. Seitenportal mit barockisierender Bekrönung über Holzsäulen“.
„Ausstattung. Hochaltar mit Opfergangsportalen, bez. 1737; hohe Ädikula, kompositbogig geschlossen, flankiert von gewundenen marmorierten Säulen auf hohen Sockeln mit Kompositkapitellen, darüber gesprengter Segmentbo-gengiebel mit Wolkengloriole und kreuztragenden Putten; Altarbild Kreuzauffindung durch die hl. Helena mit Hofstaat und Schergen vor reicher Palastarchitektur, spätmanieristisch, 1. H. 17. Jh., Blattkranzrahmung, von Kartusche über 2 Engelköpfen und Muschel bekrönt, lnschr mit Chrono-gramm, Renov.-Datum 1789; an den Opfergangsportalen gemalt Hll. Petrus und Paulus; darüber Ovalgemälde in Palmettenrahmen über Rollwerkkartuschen, hl. Elisabeth, hl. Anna lehrt Maria lesen. Tabernakel spätbar., Türen 20. Jh., auf den seitl. Mäandervoluten anbetende Engelfiguren, spätbar.“
„Barbaraaltar in der Turmkapelle, Mensa mit geschnitzten Volutenkonsolen an den Ecken und Rocaillekartusche in der Mitte; Wandaufbau mit Volutenohren, reich dekorierte Rahmung, eingezogener Baldachinaufsatz, in Voluten aus-laufend; dramatisch bewegte, aus dem Relief heraustretende Darstellung der hl. Barbara in Verzückung, auf Wolken vor Strahlenkranz schwebend, umgeben von Putten mit Attribu-ten, Tabernakel in Halbsäulenform, mit Leuchterappliken, Standkreuz, wohl böhmisch-mährisch (?), um 1750/60, von der 1726 gegr. St. Barbara-Bruderschaft in Hohenau gestiftet. - Marienaltar im Seitenschiff, spätbar. Mensa und Wandaufbau, von Baldachin bekrönt, dessen Gehänge Engelhermen halten. die den seitl. Pilastern vorangesetzt sind; Bild Muttergottes mit Kind, von Dechant J. Prokesch, um 1960; seitl. Figuren Joachim und Anna, aus der Kapelle am Kellerberg, 2. V. 18. Jh. - Altar an der O-Wand des Seitenschiffs, Herz-Jesu-Statue, um 1900, Seitenfigürchen Engel mit Geißel und hl. Veronika mit Schweißtuch, A. 18. Jh. überarbeitet; 2 kleine anbetende Engelfiguren, 18. Jh. - Kanzel. 5seitiger Korb mit Säulengliederung, in den Feldern weinlaubumrankte Bilder mit Halbfiguren der Kirchenväter, am Fuß Knorpelwerk-Schuppendekor und Pinienzapfen, Schalldeckel mit Blattdekor, geschuppte Stege, 3. V. 17. Jh. - Orgel von Josef Huber 1931.“
Quelle: Fundberichte aus Österreich, Band 30, 1991, Seite 141-144
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